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Herr Schmickler, wie ist Ihre Leidenschaft für Kampfkünste entstanden und wie sind Sie zum Aikido gekommen?

Nach meinem Umzug von Aachen nach Stuttgart wollte ich mich auch hier regelmäßig sportlich fit halten. In einem städtischen Sportinformationsheft fand ich den Begriff „AIKIDO“, der mich sehr neugierig gemacht hatte. Damals war für mich das Internet noch nicht allgemein zugängig.
Im Herbst 1987 fand eine Vorführung im Dojo des Aikido-Club Stuttgart statt, in der mein späterer Aikido-Lehrer mich von dieser Selbstverteidigungskunst überzeugte. Runde, fließende, zum Angreifer hin körperlich ergänzende Verteidigungsbewegungen wirkten für mich als Betrachter harmonisch und friedvoll, ohne negative aggressive Absicht zum Angreifer.
Es entsprach meiner eigenen Idee nach friedvoller dynamischer Selbstverteidigungsbewegung. Danach war klar, ich werde diese friedvolle Selbstverteidigungskunst erlernen.

Warum gerade Aikido? Was macht für Sie den Reiz und die Faszination dieser Kampfkunst aus?

Die europäische Kultur setzt aus historischen und ökonomischen Gründen stark auf Polarisation (Konkurrenz) der Kräfte.
Das geistige und körperliche Aikido hat durch sein gelebtes ergänzendes Prinzip, hier: mit der Kraft gehen und sich nicht gegen die Kraft stellen, ein enormes Spannung auflösendes Potential (Energiefluss), die Menschen verantwortlich zueinander führt und nicht nach dem Prinzip des Stärkeren als Feinde auseinander reißt bzw. zurücklässt. Auch der gewaltfreie Aspekt des Aikido, Menschen nicht zu vernichten, sondern eher zu lenken (z.B. das Tenkan-Prinzip: zum größten Teil nur die Kraft des Angreifers nutzen) hat mich in meinem innersten Wesen überzeugt!
Aikido ist ein geistiger (Lehr)Weg (Philosopie), in dem die körperliche Selbstverteidigung nur das letzte Mittel zum Zweck ist.
Das Aikido ist ein (langer) Weg, den ich ausgesucht habe, um meine Persönlichkeit absichtsvoll reifen zu lassen.

Wie kann man sich Ihr Training vorstellen? Was gehört da alles dazu und wie läuft es in der Regel ab?

Wie alle Budo-Sportarten wird auch im Aikido eine Matten-Etikette (Verhaltensregeln) gepflegt! Bei der gemeinsamen Begrüßung und Verabschiedung wird eine zu sich selbst findende kurze Meditation (Atemmeditation) aller Teilnehmer (Aikidokas) respektvoll und still durchgeführt. Danach findet meistens eine halbe Stunde Körperaufwärmtraining (Präventiv- Gymnastik) statt. Grundlagenbewegungen wie das spezifische Gehen, Drehen und gerade in sich ruhende Stehen sind elementar für das praktizierende Aikido.
Häufig werden Atemkraftübungen mit in das Trainingsprogramm eingestreut.
Im Folgenden werden die Aikido-Techniken, mit oder ohne Waffe (hier: Stab, Messer, Schwert) je nach Graduierung vom Aikido-Meister (übungsleiter mit Lizenz) vorgeführt und danach von allen Aikido-Schülern nachvollzogen, geübt und mit Leben gefüllt.
Ein gutes und erfolgreiches Training wird auch geprägt durch einen guten fachdidaktischen Aufbau. Das Training wird in seiner Lebendigkeit stark beeinflusst durch die Art der Persönlichkeit des Aikido-Meisters.

Was waren bislang Ihre ganz persönlichen „Aikido-Highlights“, welche tollen Momente und Erlebnisse hat Ihnen diese Kampfkunst schon beschert?

Aus der Sicht eines Meisterschülers ist es mein gekräftigtes Selbstbewusstsein und die stille Lebensfreude, die ich aus dieser Bewegungsart, wie in einem Tanz, herausziehe.
Als Aikido-Meister ist es meine Hilfestellung für meine Aikido- Schüler, und die menschliche Zuwendung, die sich in vielfältiger Art und Weise positiv gemeinsam ausdrückt.
Ich spreche hier nicht von gefühlten Hochpunkten, sondern von einer kontinuierlich gelebten Geistesausrichtung, wie oben bereits erläutert.
Außerdem erlebe ich Zufriedenheit im Aikido, wenn mein inneres kreatives Potential durch meine mentale Stärke Bewegungsformen von anderen Aikido-Meistern nachvollziehen lässt oder ich sogar selbst neue Formen kreiere.

Welche persönlichen Ziele wollen Sie mit dem Aikido noch erreichen?

Einmal würde ich gerne diese Sportart im Alter noch ausüben, wobei ich meinen körperlichen Bewegungsablauf noch intensiver und bewusster wahrnehmen möchte.
Aikido ist für mich eine gute Methode meinen Körper, Geist und Seele (Gesundheit) in Einklang zu bringen! Übrigens, das Aikido (Techniken, Kata-Formen) lässt sich auch sehr langsam, geschmeidig, ja gleichwohl meditativ ausführen.
Gesellschaftlich möchte ich mit dem Aikido weiterhin pädagogisch arbeiten, also gegensätzliche geistige Kräfte der Menschen zu gemeinsamen Zielen führen, und davon gibt es viele (Wege).

Welche Tipps und Hinweise können Sie abschließend all denen geben, die mit dem Gedanken spielen mit Aikido anzufangen? Über welchen Weg und mit welcher Einstellung findet man am besten in diese Kampfkunst hinein?

Menschen, die mehr über sich erfahren wollen, sind hier richtig.
Sportlich muss der Interessent nicht sein, aber ausdauernd in seiner Motivation.
Es gibt keine methodenspezifische Altersgrenze. Aikido ist für jeden offen.
Um eine gehobene körperliche Fitness zu erreichen würde ich das Aikido-Training mit jeder Art von Ausdauersportart ergänzen.
Die Verinnerlichung der Selbstverteidigungstechniken dauert Jahre, ehe sie sinnvoll und entsprechend effektiv vom Aikidoka auf der Basis der Kraft des Angreifers ausgeführt werden kann. Die Konzentrationsfähigkeit des fleißigen Ausübenden wird in jedem Fall gesteigert. Es gibt kaum eine „Sportart“, die beim Üben gleichzeitig auf der körperlichen, geistigen, emotionalen und ethischen Ebene ihre Wirkung hat.
Außerdem bietet das Vereinsleben ein soziales Umfeld, in dem Unterstützung und Spaß gelebt werden kann!

 

© 2010 Aikido-Club Tuebingen e.V. - letzte Änderung: 08. April 2010

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